Die Kampenwand! Lieblingsberg oder Feierabendrunde?

Bergwelten setzt die Kampenwand auf Platz 2  der Liste, auf welchen bayrischen Bergen man gestanden haben muss. Auch sonst erscheint sich dieser Berg einer Beliebtheit (auch im Gipfelglück-Blog gibts einen tollen Beitrag) zu erfreuen, die man vielleicht nur auf den 2. Blick versteht
Weil ich jedoch kein Freund vom Massentourismus bin, brauche ich für die heutige Wanderung ein Auto, mein Mountainbike, die Karte „8240 Marquartstein“ vom Landesvermessungsamt Bayern, eine Stirnlampe und die Steffi aus Augsburg, die mich für eine gemütliche Freitag-Nachmittagsrunde begleiten möchte. Ich parke mein Auto am Wanderparkplatz in Hintergschwend. Es ist Freitag, Ferienzeit. Um 14 Uhr finde ich nur mit großer Mühe einen Parkplatz. Normalerweise wäre ich absolut genervt bei solch einem Parkplatz, ich verschnüre aber gemütlich meine Bergschuhe unterm Sattel, und werf den Rucksack auf den Rücken.
Die Feierabendtour BEGINNT mit einer tollen Abfahrt mit dem Mountainbike. Zuerst auf der üblichen Fahrstraße Richtung Tal, an der Seiseralm fahre ich rechts runter nach Bernau  und komme etwa in Höhe vom Pennymarkt ins Dorf. Nun geht es gemütlich hinauf nach Rottau, am Ortseingang wartet bereits die Steffi auf mich und ich suche mir einen gechützten Parktplatz für mein Radl.

Kampenwand 001
an der Forststraße kurz vor der „Vorderen Rottauer Alm“

Gemütlich ratschend folgen wir der Forststraße bei meist gemütlicher Steigung zur Vorderen Rottauer Alm. Diese ist nur kurz am linken Wegrand hinter dem Wald sichtbar.

Kampenwand 002
neue Schilder braucht das Land!

Wenige Minuten später macht die Straße einen auffälligen Knick nach Rechts (bei einer Art Wendeplatte) , die Kampenwand ist hier mit einem schwarzen Punkt der Forststraße folgend markiert. Doch halt, hier stimmt was nicht. DA wollte ich nicht lang. Ich wollte am Bach bleiben!. Also ein Blick auf die Karte und schnell wird klar, an dieser Kreuzung sind viele Wege beschildert, wir nehmen jedoch den einzigen Weg, der keine Beschilderung bekommen hat.

Kampenwand 003
der Weg ohne Beschilderung ist für unsere Tour der richtige…

Es ist weiterhin ein alter Fahrweg, teils etwas bewachsen, Äste liegen herum und schon bald gelangen wir in den Talschluß der wunderschön gelegenen „Hinteren Rottauer Alm“.

Kampenwand 005
der Fahrweg bring uns in den Talschluß
Kampenwand 008
die „Hintere Rottauer Alm“ im Talschluß

Die Alm ist nicht bewirtschafet, es gibt aber einen Wanderstempel.
Obwohl kein Schild hierhergeführt hat, taucht ein neues Schild zur Kampenwand auf, rechts über die Wiese ist eine Fahrspur in der Wiese erkennbar.
Den Steig finden wir dann kurz unterhalb des Fahrweges am Waldrand. Wenn man die auffälligen Markierungen mal gefunden hat, kann nichts mehr passieren. Von der Alm aus sind diese jedoch nicht sichtbar.

Kampenwand 009
gut Markiert und beschildert beginnt der Steig

Wir folgen einem tollen Steig. Hier ist nicht viel los. Grundsätzlich haben wir schon seit einer halben Ewigkeit keinen mehr gesehen. Er schlängelt sich steil durch den felsigen Bergwald. Nach kurzer Zeit gibt es eine – versicherte – und bei Nässe sicherlich unangenehme –  Querung auf einem schmalen laubbedeckten Band durch eine steile Felswand.

Kampenwand 010
verwachsen, aber gut markiert
Kampenwand 011
kurze versicherte Passage
Kampenwand 012
der Bach wird überquert

Bäche werden überquert, ein kleiner Wasserfall taucht auf und wir erreichen das Hochmoor, das sich südlich der Gedererwand ausbreitet.

Kampenwand 014
an der Wegteilung
Kampenwand 015
das einsame Hochmoor

Hier teilt sich der Weg. An einem Baum finden wir ein kleines Holzschild. Geradeaus weiter zur Gedererwand, links über den Bach zur Kampenwand. Ab hier muß man die Markierungen sowie den Steig deutlich suchen. Das Hochmoor wird etwas erhöht am linken Rand (südlichen Rand) umgangen, wenn man es etwa in der hälfte der Länge umgangen hat, geht der Weg steil links nach oben. Hier finden wir zum Teil nur noch plattgetretene Grasspuren.

Kampenwand 016
klein, aber fein. Der Steig zur Gederer Alm

Es ist ein absoluter Traum hier. Wir sehen oben schon den Weg, der den Sulten quert. Am Normalweg ist deutlich der Massentourismus zu sehen. Wir wandern in völliger Einsamkeit an diesem sonst so vollen Berg.
Am östlichen Ende der Gedereralm verliert sich der Steig in der Almwiese.
Nur wenige Meter unterhalb vom Massentourismus finden wir eine Wiese voll mit Enzianblumen.

Wir müssen im weglosen Wiesengelände aufpassen, keine Blumen kaputt zu treten. Hier ist ein wenig Geländekentniss gefragt, jeder sucht sich seinen besten Weg hinauf zum Sultensattel.
Um kurz vor 6 erreichen wir die Steinlingalm. Steffi war nur mäßig begeistert. Die versprochene Brotzeit fällt aus, die Alm schließt heute bereits um 17:30.
Wenigstens kann sie ihrer Getränke auffüllen. 2 Skiwasser werden vor Ort geleert, die Flasche Cola darf in den Rucksack und fast 16 € wechseln den Besitzer.
Weil es ja nun doch schon etwas später ist, steigen wir nach sehr kurzer Pause auf dem Normalweg zum Gipfel der Kampenwand auf. Genauergesagt ist es der „Äußere Ostgipfel“, der das Kreuz trägt. Es gibt absolut speckige Felspassagen, und wir machen noch lustige Späßchen, wie es hier wohl bei Regen sein könnte.
Am Ende der Kaisersääle gibts noch die kurze seilversicherte Passage und schon ist der Gipfel erreicht. Zu dritt stehen wir also um 19 Uhr auf dem Gipfel.
Das anfangs sonnig-schwüle Wetter am Nachmittag hatte sich bedrohlich verändert. Dunkle Gewitterwolken drängen sich rund um den Wilden Kaiser

Kampenwand 031
ein mächtiges Gewitter kündigt sich an!
Kampenwand 030
einsam auf der Kampenwand. z.b. wenns Wetter schlecht wird…

Im Inntal gibt es einen ergiebigen Regenschauer zu bewundern. Viel schlimmer war jedoch der Regenradar auf dem Handy von dem 3ten Bergsteiger am Gipfel. Binnen 15 Minuten überqueren dunkle Gewitterwolken diesen kleinen blauen Punkt am Bildschirm.
Da steht man einmal in einer Einsamkeit am Gipfel der Kampenwand und dann muss die Pause ausfallen. Dabei war sie so verdient. Fast 4 Stunden haben wir für den Aufstieg gebraucht. Aber wir wollten es absolut vermeiden, im speckigen Fels der zum Teil steilen Schrofen in einen Gewitterschauer zu kommen.
Wir mussten nicht lange warten. Ein Blitz erleuchtet den Himmel, das Grummeln des Donners war über viele Kilometer zu hören. Blitz-Donner-Folge von rund einer Sekunde ließ uns ein wenig die Beine in die Hand nehmen.

Kampenwand 033
eilig geht es durch die Felsen hinab…
Kampenwand 038
den tollen Blick zum Chiemsee können wir kaum genießen..

Vermutlich hatten wir fürchertliches Glück. Am Ende der Felsen schlugen schwere Regentropfen im erdigen Boden ein. Kurz bevor der Himmel endgültig seine Schleusen öffnete standen wir unter dem schützenden Dach der Steinlingalm und endlich hatten wir auch Zeit für die wohlverdiente Brotzeit gefunden.


Das Gewitter zog wohl etwas südlich der Kampenwand entlang der Tiroler Achen durch die Berge. Mehr als starken Regen mussten wir nicht erleben.
Gegen 20 Uhr war das Spektakel vorbei. Die Kampenwand leuchtet vor strahlend blauem Himmel, während sich eine tolle Gewitterwolke in den östlichen Chiemgau schiebt

Kampenwand 053
friedlich blauer Himmel nach dem Gewitter…
Kampenwand 063
… das in den östlichen Chiemgau weiterzieht

Umständehalber nehmen wir den Abstieg über die Forststraße.
Ein Glücksfall – wie sich schon schnell herausstellen sollte. Der wohl beste Sonnenuntergang seit langer Zeit machte den Abstieg zu einem absoluten Genuß
Sonne und Wolken am Horizont zaubern Momente, wie ich sie schon lange nicht mehr erleben durfte.


Etwa in Höhe der Gorialm gehen wir etwas rechts auf den Weg, der beschildert über das Liftstüberl in den Wald führt. Eigentlich wollten wir aufgrund des Schauers nicht in den Wald, jetzt sind wir doch hier gelandet, es geht deutlich besser als befürchtet.

Kampenwand 078
ein letzter Blick in die Sonne!

Etwa 20 Minuten vor der Maisalm war es dann an der Zeit, die Stirnlampen aufzusetzen, die Schilder an den Bäumen waren „ohne“ nicht mehr zu entziffern.
Am Ende haben wir gegen 22 Uhr bei erneut einsetzendem Regen das Auto erreicht. Ich bringe Steffi zu ihrem Auto nach Rottau, lade mein Radl ein und fahre nach Hause.
Trotz dieses tollen Bergtages… ob die Kampenwand zu meinem Lieblingsberg wird wage ich zu bezweifeln. Da hat der Chiemgau deutlich schönere Touren zu bieten

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